Der Kunde ist König …

von | 15.07.2023 | Gesellschaft, Umgangsformen, Allgemein, Knigge, Kommunikation

und, „Der Kunde hat immer Recht“, und, „Wir sind hier, um Ihnen zu dienen“. In fast allen Branchen, sind das geltende Dogmen, ungebrochen.

Wie war das nochmal mit der Augenhöhe, mit dem Respekt, mit dem Umgang mit Menschen? Wie passt heute in unsere Profitgetriebene materialistische westliche Welt?

Folgend ein paar Gedanken zu Ausdrucksweisen, die seit vielen Jahren fast überall auf der Welt stark verankert sind, und kaum hinterfragt werden.

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Kunde – König – Kundenbetreuer (oder Serviceperson, oder Verkäufer, oder Vertriebler, oder … you name it)

Der Kunde ist König. Moment einmal. Natürlich sind die (echten) Könige auch nur Menschen. Sie haben nicht nur Privilegien, die aufgrund ihrer Geburt gesetzt sind. Sie haben, ob sie regierend sind oder hauptsächlich repräsentativ aktiv sind, strengen Regeln zu befolgen. Sie habe Verantwortung, bewahren (fast) immer einen exzellenten Stil (ja, ich weiß, da gibt es einige Ausnahmen auf höchstem Niveau) und stehen als Vorbilder für Eleganz und gutes Benehmen für ihre Landsleute auf der Bühne des Lebens.

Gehen wir jetzt zum Kunden über. Der Kunde sollte gut behandelt werden. Selbstverständlich. Der Kunde, der unfreundlich, pampig, ordinär und schlecht erzogen ist, auch. Oder doch nicht? Vor allem, aber nicht nur, unsere kapitalistische Welt, basierend auf Handel, Verkauf, Geld, Konsum und materiellem Reichtum, versetzt einen Verkäufer in eine Position des Untertan in der Beziehung zum Kunden, dem Käufer. Es muss Profit her, auf Teufel komm raus. Deshalb müssen Verkäufer und dienende Personen aus allen Branchen, unhöfliche, aggressive, teils protzende (neu-)reiche Käufer über sich ergehen lassen. Weil der Kunde immer Recht hat. Und König ist.

Ich persönlich habe größere Sympathie für Menschen die sich nicht für den Profit annullieren und als unmündige Diener dem Kunden-König (ich entschuldige mich bei allen Majestäten für diesen Parallelismus) unterwerfen müssen. Die gute Welt wäre: Kunde und Verkäufer auf der heute inflationiert benutzten Augenhöhe, mit Integrität, nicht mehr und nicht weniger.

 

Hier noch ein paar Worte zum Begriff „dienen“. Ich denke da an Butler oder Haushofmeister. Er leitet das Hauspersonal und ist der persönliche Diener des Hausherren oder der Hausdame. Ich habe selber erlebt, wie Gäste, aus Freundlichkeit oder um zu zeigen, wie nah sie doch dem Personal sind, dem Butler einige Tätigkeiten abnehmen wollten. Dies war nicht nur unpassend in dem Kontext, sondern bedeutete eine Beleidigung der Würde des Butlers. Er, und nur er, ist der Profi für bestimmte Tätigkeiten. Ihn interessiert nicht die doch so offene Weltanschauung dieser ‚modernen‘ Gäste. Er möchte seinen Berufsethos respektiert wissen. Dienen mit echter, authentischer Würde, mit einem großen Stolz, als Profi zu gelten und anerkannt zu werden.

Also, dienen ist genauso würdevoll wie bedient zu werden, und ein Gentleman und eine Lady gibt es in beiden Kategorien. Da hat die Herkunft, das materielle Reichtum, der akademische Titel nichts zu bedeuten, wenn die Würde, die Eleganz und der Respekt vorhanden sind. Alle sind gleich, aber einige sind freundlicher, stilvoller, würdevoller und mit einer feinen Herzenshaltung als andere!

Lieber schaue ich mich morgens und abends in den Spiegel mit Freude und Würde, als dass ich mich und meine Seele verkaufe, um den „immer-Recht-habenden-Kunden“ aus Marketing- und Vertriebsgründen Recht zu geben. Und was ein italienischer Denker des letzten Jahrhunderts schrieb (von mir frei übersetzt): „Ein Handwerker der seiner Funktion perfekt nachkommt ist dem König, der seiner Bedeutung nicht würdig ist, überlegen“. Eine extreme Aussage, zum Nachdenken.


Fabrizio Baron Galli Zugaro

Fabrizio Baron Galli Zugaro Mitglied des Deutschen Knigge Rates und Experte für internationale und traditionelle Etikette. Nach dreißig Jahren in Führungspositionen, stets im Vertrieb und in der Kundenbetreuung, ist er als Coach und Berater in Kommunikation- und Führungsthemen tätig.

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