Wie Sie als Gast zum Gelingen einer Einladung beitragen

Ist Ihnen das auch schon passiert? Ein Kollege hat Sie zu einem größeren Abendessen zu sich nach Hause eingeladen. Er und seine Frau haben sich viel Mühe gegeben, alles schön herzurichten, damit sich die Gäste wohl fühlen.

Foto: Shutterstock

Die Stimmung ist gut – bis plötzlich ein Gast mit seinem Fehlverhalten für Irritationen sorgt. Schnell ist klar: Für das Gelingen und die Atmosphäre einer Einladung sind nicht nur die Gastgeber verantwortlich, sondern auch jeder einzelne Gast!

Ein gern gesehener Gast

Der Gast ist König? „Jein“. Die Gäste stehen zwar im Zentrum der Aufmerksamkeit der Gastgeber. Doch haben sie neben ihren Gastrechten auch Pflichten. Diese sollten sie berücksichtigen, um ihrerseits zum Gelingen einer Veranstaltung beizutragen: vor, während und nach der Einladung.

In Vorbereitung auf die Einladung

Zeitnah antworten
Ob Sie mündlich oder schriftlich eingeladen wurden: Sagen Sie möglichst zeitnah und verbindlich zu beziehungsweise ab. Denn nur so können die Gastgeber weiter planen.

Den Dresscode beachten
Zur Vorbereitung gehört es auch, sich Gedanken über die passende Kleidung zu machen. Wird der Dresscode nicht mit der Einladung bekanntgegeben, empfiehlt es sich, Ihre Kleiderwahl nach Anlass, Tageszeit und Umfeld vorzunehmen. Sind Sie unsicher, können Sie natürlich auch bei den Gastgebern oder anderen ihnen bekannten Gästen nachfragen.

Nicht mit leeren Händen kommen
Es ist üblich, ein Gastgeschenk zur Einladung mitzubringen. Dies muss nicht immer groß oder besonders teuer sein. Ein Blumenstrauß, eine Flasche Wein oder Sekt, ein Buch oder eine Besonderheit, von der Sie wissen, dass sie den Einladenden freut, sind schöne Gesten, mit denen Sie den Gastgebenden eine Freude bereiten können.

Während der Einladung

Pünktlich kommen
Treffen Sie am besten zur eingeladenen Zeit ein. Zu spätes Erscheinen ist ebenso unhöflich und unpünktlich wie zu frühes Eintreffen. Dieses könnte die Gastgeber sogar in Verlegenheit bringen, denn möglicherweise sind sie noch nicht vollständig vorbereitet. Das wäre dann kein gelungener Start für alle.

Begrüßen und vorstellen
Sie werden voraussichtlich von den Gastgebern im Eingangsbereich begrüßt. Achten Sie darauf, dass Sie sie nicht zu lange aufhalten, denn womöglich müssen sie noch andere Gäste in Empfang nehmen. Für längere Gespräche ist später bestimmt auch noch Zeit.
Die Gastgeber übernehmen normalerweise die Vorstellung der Gäste untereinander. Sollten sie jedoch anderweitig gebunden sein, gehen Sie einfach selbst auf bereits anwesende Gäste zu. Stellen Sie sich mit Ihrem Namen (ohne Titel!) vor. Auch ein Hinweis auf den Bezug zu den Gastgebern oder dem Anlass ist hilfreich und erleichtert den Einstieg in ein gemeinsames Gespräch.

Zur guten Atmosphäre beitragen
Als Gast tragen auch Sie mit Ihrem Verhalten während der Veranstaltung zur guten Stimmung und Atmosphäre bei. Integrieren Sie sich in die Gästeschar und achten Sie auf einen positiven Smalltalk, voller Wertschätzung und gegenseitigem Interesse. Sollten Ihre Gastgeber eine Tischordnung erstellt haben, nehmen Sie offen und proaktiv das Gespräch mit Ihren Nachbarn auf – ob Sie sie bisher kannten oder nicht.

Auf Diskretion achten
Natürlich wissen Sie, dass Sie als Gast die Aufforderung, sich heimisch zu fühlen, nicht wörtlich nehmen sollten. Die Gastgeber möchten damit einfach dem förmlichen Charakter entgegenwirken und für eine entspannte Atmosphäre sorgen. Schauen Sie in keinem Fall ungefragt in andere Räume oder gar Schränke. Offene Gegenstände in Regalen, wie Bilder oder Bücher, können natürlich betrachtet werden und sind manchmal sogar ein guter Impuls für den Smalltalk. Achten Sie jedoch auf eine gute Balance zwischen Interesse und gebührender Zurückhaltung.

Sich angemessen verabschieden
Jede Einladung hat sein Ende. Möglicherweise geben die Gastgeber einen Hinweis darauf und fragen nach dem letzten Getränk oder dem geplanten Programm am nächsten Tag. Gehen Sie auf solche Signale ein und ziehen Ihre Verabschiedung nicht zu lange hinaus. Und sollten Sie vor dem offiziellen Ende gehen müssen, passen Sie einen günstigen Zeitpunkt ab, damit Ihre (diskrete) Verabschiedung nicht von den anderen Anwesenden als allgemeines Aufbruchssignal interpretiert wird.

Im Nachgang der Einladung

Sich nochmals bedanken
Der Abend war gelungen, die Gastgeber haben ihre privaten Räume für die Gäste geöffnet und für deren Wohlergehen gesorgt. Daher sollten Sie als Gast am nächsten Tag noch einmal Ihren Dank zum Ausdruck bringen – mündlich oder schriftlich. Sie können alternativ auch beispielsweise einen Blumenstrauß als Dank nachsenden, sollten Sie nicht schon ein Geschenk zur Einladung mitgebracht haben.

Bei Wunsch die Einladung erwidern
Eine Gegeneinladung auszusprechen, ist keine Verpflichtung. Es kann jedoch eine positive Geste sein, um sich bei den Gastgebenden zu revanchieren und sie bei einer anderen Gelegenheit nach Hause einzuladen. So können das gegenseitige Kennenlernen und die persönliche Beziehung weiter gefestigt werden.

Fazit:

Als Gast sind Sie gleichzeitig „König“ und Mitgestalter für eine gelungene Einladung. Ihre Umgangsformen, Ihre innere Haltung, Ihre Rücksichtnahme und Höflichkeit dem Gastgeber und weiteren Gästen gegenüber sind ebenso entscheidend für das Wohlgefühl aller wie das Ihrer Gastgeber. Daher sollte sich jeder bei einer Einladung die Goldene Regel vor Augen halten: „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu“.


Autorin: Silke Freudenberg

Silke Freudenberg ist zertifizierte Protokoll-Managerin und seit über 15 Jahren in den Bereichen Eventmanagement, Protokoll, Etikette und moderne Umgangsformen tätig. Sie ist Mitglied im Deutschen Knigge-Rat und Botschafterin für Existenzgründung und Unternehmertum im Saarland.
Neben der Organisation von Veranstaltungen, Seminaren und Vorträgen arbeitet sie als zertifizierte systemische Coach und bringt dort auch ihre Berufserfahrung aus den Bereichen Marketing, Kommunikation und Personal ein.

www.silkefreudenberg.com

Kommentare