Alle Jahre wieder – wenn es mit dem Schenken nicht klappt. Ein kleiner Guide zu den wichtigsten Fragen …

von | 18.12.2021 | Knigge, Gesellschaft, Weihnachten, Geschenke, Werte

Jedes Jahr bekommen wir als Knigge-Rat von zahlreichen Medien die gleichen Fragen rund ums Schenken gestellt. Es scheint, gerade zu Weihnachten, ein ziemlich problembehaftetes Thema zu sein, das viele Menschen beschäftigt. Grund genug, Ihnen nun auch direkt auf unserer Homepage darauf zu antworten. Im nachfolgenden Artikel finden Sie die Informationen und unsere Einschätzung auf die am häufigsten gestellten Fragen.

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Warum schenkt man sich an Weihnachten denn überhaupt etwas?

Schon bei Christi Geburt kamen die drei Heiligen Könige mit Weihrauch, Myrrhe und Gold, um dem geborenen Kind und Gott zu huldigen und die Dankbarkeit für die Geburt des Messias zu zeigen. Der Brauch, sich an Weihnachten Geschenke zu machen, ist eine Fortführung dieser „Geschenk-Übergabe“ der drei Könige, also nach wie vor eine Dankbarkeit dafür, dass „alle guten Gaben“ von Gott kommen, auch wenn sich viele darüber heute gar nicht mehr im Klaren sind, warum das Christkind kommt und Geschenke bringt.

Warum ist Schenken so schwierig?

Teilen und Abgeben fördert die Beziehung. Das kennen wir seit Angedenken bei den Menschlein wie Tierlein, in der Partnerwahl, in der Brutpflege. Wenn wir Essen und Trinken teilen, uns gegenseitig „einschenken“, gar aus dem gleichen Becher trinken, dann ist das ein Zeichen für Frieden, Verbundenheit, gar Liebe. Und darin liegt eben der Sprengstoff: Schenken ist Beziehungsarbeit.

Wie gelingt ein gutes Geschenk?

Die Suche nach dem perfekten Geschenk gestaltet sich manchmal noch schwieriger als die Suche nach dem heiligen Gral – die drei folgenden Fragen helfen bei der Auswahl:

  1. Was und Wie:

Ein gutes Geschenk erweist Ehre und zeugt von Dankbarkeit – kurz gesagt, es würdigt angemessen den Anlass. Ein perfektes Geschenk schenken, heißt Augenhöhe halten. Die Gabe schubst niemanden in eine niedrigere Position und kauft nicht von etwas frei. Es lohnt sich außerdem, genauer darüber nachzudenken, was Sie schenken, denn Ihr Geschenk steht für Sie.

  1. Von Wem und Warum:

Ein gutes Geschenk ist freiwillig und ein Zeichen von Wertschätzung/ Zuneigung. Deshalb braucht es KEIN Gegen-Geschenk, denn man schenkt es, weil man es schenken möchte. Das unterscheidet den Herzens-Schenker vom Muss-Schenker, der nur schenkt, weil er muss und dem Zweck-Schenker, der etwas von seiner Gabe erwartet. Schalten Sie also den Erwartungsmodus oder das schlechte Gewissen aus.

  1. Für Wen und Wozu:

Ein gutes Geschenk gefällt dem Beschenkten. Voraussetzung für erfolgreiches Schenken ist, sich also Gedanken über die Lebenswelt des Anderen zu machen. Außerdem lässt es den Beschenkten das „freie und offene Herz“, also das Geben um des Gebens Willen, spüren. Der Unterschied zwischen Geschenk und Bestechung liegt in der Angemessenheit zur Beziehung, die verbindet. Je geschäftlicher die Beziehung ist, desto weniger ist mehr, desto transparenter und öffentlicher ist besser.

Schenken Sie also anlassgemessen, etwas mit dem Sie im Herzen bleiben wollen, etwas das dem Beschenkten gefällt, freiwillig und ohne Hintergedanken. Und zwar dann, wann Sie wollen und an die Menschen, die SIE beschenken wollen.

Was mache ich, wenn ich etwas schenke und nichts bekomme oder vice versa?

Problematisch ist, dass Beziehungen (und auch der Umgang mit dem Schenken an sich) unterschiedlich wahrgenommen werden. Es kann also sein, dass wir etwas schenken, an jemanden, den wir mögen und dieser Jemand uns nichts zurück schenkt oder dass wir etwas geschenkt bekommen von Jemandem, für den wir nichts haben. Das fühlt sich in beiden Fällen meistens etwas komisch an – da wir es gewöhnt sind, Geschenke zu tauschen und denken, dass wir ein Geschenk erwidern müssen – und dass wir nicht gemocht werden, wenn wir keines bekommen.

Ein Geschenk ist aber freiwillig und gerade diese Freiwilligkeit macht es im Herzen wertvoll.

Ein Nicht-Geschenk hat nicht immer etwas mit fehlender Zuneigung zu tun, sondern manchmal einfach auch mit Schusseligkeit oder einer anderen Schenke-Haltung – man sollte ein „Nicht-Geschenk“ nicht unbedingt persönlich nehmen und gleich den Beziehungsstatus in Frage stellen.

Warum sollte ich ein Geschenk einpacken?

Mit einer hübschen Verpackung steigern Sie im Übrigen den Wert Ihrer Gabe. Auch bei Geschenken machen Kleider Leute bzw. isst das Auge mit. Auch wie Sie das Geschenk übergeben, hinterlässt einen Eindruck Ihrer Wertschätzung und Aufmerksamkeit.

Was mache ich, wenn mir ein Geschenk nicht gefällt?

Früher gab es das Sprichwort “Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul” – man prüfte also das geschenkte Pferd nicht durch einen Blick auf die Zähne, wie dessen Zustand ist, sondern nahm es einfach an.

Mit Geschenken sollte man das unseres Erachtens immer noch so halten und die Geste, dass man eine Gabe – wie auch immer sie geartet ist – überreicht bekommt, wertschätzen. Ein ehrliches Dankeschön ist das Mindeste. Auch wenn das Geschenk selbst nicht passend ist. Der/die Schenkende hat sich (wenn nicht Mühe beim Nachdenken) dann doch Mühe beim Beschaffen gemacht. Dies sollte man würdigen.

Auch wenn Sie sich über das Geschenk selbst nicht sehr freuen können, dann freuen Sie sich über die Geste. Geben Sie der schenkenden Person das Gefühl, dass sie es zu schätzen wissen, dass an einen gedacht wurde/etwas gefunden/gebastelt/gekauft wurde/Geld ausgegeben wurde/usw.

Kann ich ein Geschenk umtauschen/ weiterverkaufen?

Ein grundsätzliches No-Go ist ein Umtausch/ Weiterverkauf nicht, denn der Schenkende kann nicht erwarten, dass man seinen Geschmack teilt und sich ein Bild aufhängt, das einem gar nicht gefällt. Es ist dann an ihm, zu respektieren, was der Beschenkte mit dem Geschenk macht – es gibt also auch die Rücksichtnahme auf der Seite der Schenkenden.

Allerdings mit dieser Einschränkung:

Umso näher Sie zum Schenkenden stehen und je persönlicher die Geschenke sind, desto wichtiger ist es, mit dem:derjenigen zu sprechen und Farbe zu bekennen, dass man das Geschenk gar nicht mag  – vielleicht gibt es ja dann auch eine andere Lösung. Bei nahen Menschen ein Geschenk ohne Gespräch einfach weiter zu verschenken oder zu verkaufen, ist tatsächlich ein No-Go.

Das Gespräch darüber sollte am besten unter vier Augen erfolgen und ebenfalls sollte der Umtausch/ die Weitergabe dezent erfolgen und den Schenkenden nicht brüskieren.

Wie spreche ich das genau an?

Zu persönliche Geschenke

„Es ist ja nett, dass ich ein Geschenk bekomme, aber wer hat Dir/Ihnen diesen Tipp gegeben? Ich finde das sehr persönlich und bin ein bisschen irritiert/ich benutze diese Dinge gar nicht/diese Dinge besorge ich mir gerne selbst/ hier bin ich besonders eigen und möchte das auch nicht mit anderen Menschen teilen“… Alternative anbieten:„Über Pralinen/ein Buch/eine CD, etc. hätte ich mich sehr gefreut. Können wir das entsprechend umtauschen?“

Kleidung

„Danke, das ist ein schönes Teil, wo hast Du es für mich entdeckt? Der Schnitt, das Material, die Stickerei/Applikationen, … sind wunderbar, und genau mein Geschmack. Nur die Farbe ist schwierig, weil ich nichts im Schrank habe, was ich damit kombinieren könnte, keine passenden Schuhe besitze. Meinst Du, wir könnten nochmal zusammen in das Geschäft gehen und gemeinsam schauen?“

„Das Kleid ist ein Traum, nur die Größe ist wohl nicht die richtige: Es ist zu lang/zu weit/zu eng/usw., … Meinst Du, dass man das nochmals umtauschen könnte? Dann würde ich das gerne machen. Es wäre wirklich schade, wenn es nur im Schrank hängt und nicht getragen werden kann.“

Bücher

„Danke, Du kennst meinen Geschmack aber sehr gut! Der Autor/die Schriftstellerin ist großartig, ich mag diesen Schreibstil sehr, ich habe schon einige Bücher von ihm/ihr gelesen, auch das, welches Du mir geschenkt hast. Ich habe es regelrecht verschlungen. Können wir es nicht umtauschen? Es gibt da noch ein Buch was mich interessiert, ein Titel X oder ein Hörbuch Y oder eine CD Z, was ich mir ohnehin kaufen wollte. Ich würde mich freuen, wenn Du mir das mit einem Umtausch ermöglichst.“

Kosmetik

„Du hast mir eine sehr kostbare Körper-Creme geschenkt, das hat mich sehr gefreut. Ich benutze nur schon seit einiger Zeit keine XY mehr, das konntest du nicht wissen. Man spricht ja nicht so offen über diese Dinge. Ich habe meine Körperpflege umgestellt auf Natur-Kosmetik/auf reine Öle/auf Paraffin-/Silikonfreie Kosmetika, usw. Ich hoffe, Du hast noch den Kassenbon und ich würde mich freuen, wenn Du das umtauschen kannst, ich suche nämlich noch etwas Passendes für meine Hände, Füße, Haare, usw.“

„Du hast mir meine frühere Marke XY geschenkt, dass Du das noch weißt, wie aufmerksam, vielen Dank. Ich benutze diese Marke nur nicht mehr, weil ich mit der neuen Rezeptur/dem geänderten Duft/usw. nicht mehr so gut zurecht komme. Das ist so schade, denn ich mochte dieses und jenes immer sehr gerne. Aber, jetzt geht es leider nicht mehr.“

In der Regel kommt dann auch ein Umtauschangebot von der schenkenden Person.

Alkoholische Getränke (Wein)

„Der Wein ist Dir sicher empfohlen worden, er sieht auch sehr edel und exklusiv aus. Ich habe nur vor einigen Monaten entschieden, gesünder leben zu wollen und möchte ganz auf Alkohol bis auf Weiteres verzichten. Du bist mir hoffentlich nicht böse, wenn ich Dich bitte, die Flasche wieder mitzunehmen. Dann komme ich auch nicht in Versuchung. Ich habe gehört, dass es ganz wunderbare, leckere alkoholfreie Alternativen gibt, wollen wir das mal zusammen probieren?“

„Ich kann neuerdings vom Rotwein nicht mehr schlafen und trinke deshalb nur noch Weißwein / Ich bekomme vom Weißwein seit Wochen schon mächtige Kopfschmerzen, sodass ich mich nicht mehr traue, davon zu trinken / Ich habe gemerkt, dass ich von Schaumwein unangenehmes Sodbrennen bekomme. Meinst Du, Du kannst die Flasche umtauschen, es wäre sehr schade, wenn sie nur rumsteht und irgendwann nicht mehr genießbar ist.“

Was macht man mit Geschenken an die Kinder (die mit den Eltern nicht abgesprochen sind)?

Wer damit rechnen muss, dass die Verwandtschaft einen Wettbewerb veranstaltet, wer das beste/größte/spannendste/teuerste Geschenk überreicht, sollte im Vorfeld die Fronten klären und klare Vorgaben machen.

Es ist eine gute Möglichkeit, dass alle, die schenken möchten, zusammenlegen für eine große/wichtige Sache.

Als Eltern: Sie können die Geschenke aufteilen. Machen Sie Ihrem Umfeld Ihr Erziehungskonzept klar – z. B. bei Kleinkindern nur Holz, kein kurzlebiges, batteriebetriebenes Plastik – damit die Geschenke auch inhaltlich dazu passen.

Was sagen Sie:

„Es ist nett, wenn Du / Sie auch an unsere Kinder denkst. Wir haben nur innerhalb der Familie beschlossen, dass wir unsere Kinder nicht überfordern wollen. Die Zimmer sind voll und wir möchten den Konsum einschränken und uns auf nur eine Sache konzentrieren.“

„Sie sind noch zu klein und können das nicht einordnen/ sie haben als Teenager mittlerweile ihren eigenen Geschmack und Du wirst Dich damit blamieren, schenke lieber eine Kinokarte, oder geht mit ihnen Eis essen.“

„Kannst Du das bitte zurücknehmen und in das XY umtauschen. Unser Kind braucht dringend das und das und es wäre wichtig, wenn er/sie dies hätte.“

„Kannst Du das bitte wieder mitnehmen und an Ostern/zum Geburtstag/zur Einschulung schenken. Wir haben unterm Baum schon so viele Pakete, dass wird zu viel, wenn alles ausgepackt wird.“

Fazit

Das perfekte Geschenk schenken, heißt immer Zuwendung zu geben. Das kann auch einfach ein Telefonat oder eine Einladung zum aktuell virtuellen Kaffee-Trinken sein. Ihre Lebenszeit ist ein großes Geschenk, womit Sie Andere erfreuen können. Denn das größte Geschenk ist, und darum drehen sich auch alle materiellen Gaben, dass wir unsere Mitmenschen sehen und wahrnehmen – und was immer Sie auf Erden verschenken, wird Sie in den Himmel begleiten.

 

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und viel Freude beim Schenken und Beschenkt-Werden!

Herzlich

Ihr Deutscher Knigge-Rat

Geschrieben von Evelyn Siller und Michael Kugel


Evelyn Siller

Evelyn Siller ist Unternehmerin, Speakerin und Autorin. Mit ihrer umfassenden Expertise begleitet sie seit vielen Jahren erfolgreich Unternehmen und Persönlichkeiten in Business, Politik und Öffentlichkeit in Sachen Stil, Auftreten und Charisma.

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