Typisch deutsch: “Taxi Taxi!” Der Deutsche sitzt immer vorne

von | 10.04.2021 | Typisch deutsch, Allgemein, Gesellschaft, Umgangsformen

Bei meinen Reisen ins Ausland habe ich immer wieder dieselbe Erfahrung gemacht. Das Einsteigen in ein Taxi auf der Beifahrerseite vorne ist ganz oft unüblich. In vielen Ländern möchten die Fahrer keinen neben sich sitzen haben. Ob dies mit unangemessener Nähe, oder eher aus dem Dienen heraus (die Herrschaft sitzt hinten) zu erklären ist, ist unklar.

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Klar ist jedoch, wo wer sitzt.

Ob beim Heranrufen eines fahrenden Taxis oder an einer offiziellen Taxi-Haltestelle. Überall beobachte ich, wie auf der ganzen Welt Menschen wie selbstverständlich hinten im Wagen Platz nehmen.

Taxifahrer weltweit sind es gewohnt, ihre Passagiere im Fond des Fahrzeuges zu chauffieren. Der Beifahrersitz ist bei vielen tatsächlich eher Privatsphäre und wird gerne als „Ablage“ für Zeitung, Thermoskanne, Laptop, Bücher, Getränke und vieles mehr genutzt.

 

Dem ranghöchsten gehört der beste Platz.

Nach Protokoll, sprich bei hochoffiziellen Anlässen gibt es eine Rangfolge, nach der die Sitze im Auto vergeben werden. Der beste und sicherste Platz im Pkw ist hinten rechts. Dort nimmt in der Regel eine Person Platz, die alleine als Fahrgast unterwegs sein will.

Sind zwei oder gar drei Personen gemeinsam unterwegs, werden im Protokoll die Plätze nach Rangfolge vergeben. Nach dem besten Platz für die ranghöchste Person folgt der Sitz hinten links. Der Sitz vorne rechts, sprich der Beifahrersitz, ist dem dritten Gast in der Folge vorbehalten. Somit ist nach Protokoll ganz klar, wer den schlechtesten Platz hat und dem zufolge auch am unwichtigsten ist.

Warum nimmt der Deutsche freiwillig den unwichtigsten Platz ein?

Dies geht sicher damit einher, dass der Beifahrersitz in Deutschland gar nicht als der schlechteste Platz angesehen ist! Ganz im Gegenteil. Immerhin ist das Auto eine Deutsche Erfindung. Des „Deutschen liebsten Kind“, das „heilige Blechle“ will somit von den meisten auch selbst gefahren werden. So kann es für einen typisch deutschen Autofahrer nur ein Kompromiss sein: Wer schon nicht selbst am Steuer sitzen darf, nimmt sich die Beifahrerseite. So kann das Verkehrsgeschehen am besten beobachtet werden. Und wer sich nicht ganz einem Fremden anvertrauen will, hat auf der Beifahrerseite zumindest das Gefühl in der „Not“ etwas unternehmen zu können.

 

Wenn der Gastgeber den Wagen steuert

Die zuvor beschriebene Rangfolge im Auto gilt nur, wenn der Wagen von einem dienstbaren Chauffeur gesteuert wird. Sitzt der Gastgeber selbst am Lenkrad, steht dem ranghöchsten Gast seine Seite, sprich der Beifahrersitz zu. Dann folgen die Sitze hinten rechts und hinten links.

 

3 Knigge-Tipps rund ums Auto

  1. Das Auto ist Ihre Visitenkarte

Es sollte von innen und außen sauber sein und – wie Sie – einen gepflegten Eindruck hinterlassen. Bewahren Sie im Auto nur das auf, was Sie auf Reisen benötigen. Ihr Wagen sollte kein “fahrender Abstellraum” sein.

  1. Ihre Gastgeberpflichten an der Wagentür

Gastgeberpflichten beginnen nicht nur an der Wohnungstür, sondern auch an der Wagentür. Öffnen Sie die Tür für Ihre Gäste. Auch Damen sind sich nach modernen Regeln nicht zu schade, um die Autotür für ihren Gast zu öffnen.

  1. Etikette auf Fahrt

Als Nichtraucher dürfen Sie Ihr Auto zur Nichtraucherzone erklären. Legen Sie bei längeren Fahrten ggf. eine kurze Raucherpause ein. Erkundigen Sie sich als höflicher Gastgeber bei Ihren Gästen, ob die Temperatur angenehm ist. Stellen Sie die Musik ab oder wählen Sie sie so, dass sie möglichst den Geschmack aller Reisenden trifft.

 


Michael Kugel

Michael Kugel hatte zunächst eine gastronomisch geprägte Laufbahn bevor er Weinexperte wurde. Stets den “Guten Geschmack” im Gepäck verschlug es ihn weltweit in die unterschiedlichsten Regionen, wo jede seiner Aufgaben eng mit der stilvollen Seite des Essens und Trinkens verbunden war. Der freiberufliche Knigge-Berater ist Kenner der Dienstleistungsbranche und stellt ein einmaliger Mix an Wissen und Erfahrung auch in seinen Trainings zur Verfügung. 

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