Auch zu Hause: der perfekte Gastgeber

Ausnahmesituation

Heute finden die meisten Verabredungen zum Mittag- oder Abendessen in einem Restaurant statt. Gerade im beruflichen Bereich ist dies eine einfache Lösung. Die Auswahl bei den Restaurants ist groß und mit einem Telefonanruf ist die Tischreservierung schnell erledigt. Da ist die Einladung in einen Privathaushalt schon eine große Ausnahme und auch besondere Auszeichnung. Denn hier ist die Verabredung für den Gastgeber nur mit viel Aufwand umzusetzen. Das Haus / die Wohnung muss aufgehübscht werden. Die Planungen, was man dem Gast zum Essen anbieten will, sind umfangreich: was mag er, was darf er, kann ich das erfüllen? Wer hilft mir bei der Umsetzung? Aber die Mühe lohnt sich.

Im privaten Haushalt betreut man den Gast mit besonderer Wärme und Aufmerksamkeit. Auch das Einbinden von Familienmitgliedern kann Hemmungen abbauen. Dem kann sich der Gast nicht entziehen und so entsteht schnell eine Vertrautheit, die auch in der Zukunft privat wie geschäftlich nutzbringend und belastbar ist.

Deshalb ist es eine gute Alternative, das Mittel „private Einladung“ zur Kontaktbildung gezielt einzusetzen.

Foto: Shutterstock

Korrekte Einladung

Natürlich müssen auch zu einem Treffen im privaten Bereich alle Informationen korrekt weitergegeben werden. Falls der Termin frühzeitig vereinbart wurde, sollte dieser mit einer schriftlichen Einladung betätigt werden, die alle wesentlichen Daten enthält, aber auch durch geschickte Ergänzungen bei dem Gast Vorfreude auf die Begegnung weckt.

Zur korrekten Anschrift und Anrede gehören:

  • der komplette Vor – und Familienname, auch des Partners, falls dieser mit eingeladen ist,
  • die Amtsbezeichnung bei Inhabern öffentlicher Ämter,
  • Berufsbezeichnungen bei Personen, die bestimmte Tätigkeiten ausüben ( z.B. Rechtsanwalt)
  • Funktionsbezeichnungen, die die Stellung einer Person im Rahmen einer Organisation bezeichnen ( z. B. Vorstandsvorsitzender oder Abteilungsleiter ),
  • Titel und Ehrentitel, die Personen als Anerkennung ihrer besonderen Verdienste und zur Ehrung direkt von Staat oder mit dessen Genehmigung verliehen wurden ( z.B. Kammersänger oder Staatsschauspieler ),
  • Akademische Grade auf Grund der Promotionsordnungen der wissenschaftlichen Hochschulen ( z.B. Dr. med. ) .

Falls der Empfänger mehrere Amts-/ Funktionsbezeichnungen oder Titel besitzt, ist die Bezeichnung zu empfehlen, mit der der Empfänger in der Öffentlichkeit am stärksten bekannt ist.

Bei weiblichen Personen ist auch die weibliche Form der Amtsbezeichnung zu verwenden und wenn der Gast mit Partnerin eingeladen ist, wird auch diese korrekt mit ihrem vollständigen Namen und ihrer eigenen Amtsbezeichnung oder ihrem Titel erwähnt. Bei besonderen Anlässen ist ein Hinweis auf die empfohlene Kleidung für den Gast hilfreich.

Übrigens: auch gute Freunde reagieren positiv, wenn die Einladung formell und informativ gestaltet ist.

Begrüßen und vorstellen

Es ist selbstverständlich, dass der Gastgeber und die Gastgeberin die Gäste beim Eintreffen an ihrer Wohnung  korrekt begrüßen. Zunächst wird derjenige begrüßt, der bekannt ist. Dieser stellt dann seine Begleitung vor. Der bei uns übliche Händedruck  soll nicht zu fest, aber auch nicht zu lasch sein – und die Hand wird nicht mehrmals geschüttelt.

Die Vorstellung gegenüber anderen Gästen übernimmt der Gastgeber / die Gastgeberin. Vorgestellt wird bei gesellschaftlichen Anlässen der Jüngere dem Älteren, bei gleicher Generation der Herr der Dame. Spielen berufliche Belange bei dem Treffen eine Rolle, dann gelten die Regeln der Hierarchie: der Rangniedere wird dem Ranghöheren vorgestellt, unabhängig vom Geschlecht. Nur bei Gleichrangigen gilt wieder: der Herr wird der Dame genannt.

Hilfreich ist es, wenn der Gastgeber beim Vorstellen gleich einige berufliche oder private Erläuterungen zum Gast gibt ( z.B. Hobbies oder Nähe zum Gastgeber ). Das erleichtert den Gästen den Beginn eines ersten Gespräches.

Selbstverständlich erheben sich bereits anwesende Gäste zum Begrüßen neuer Gäste von ihren Plätzen. Man begrüßt sich auf Augenhöhe, das gilt für Damen und Herren.

Sitzordnung

Für alle Teilnehmer ist es angenehm, wenn sie am Tisch eine vom Gastgeber umsichtig erstellte Sitzordnung vorfinden. Die Vorteile einer klugen Sitzordnung liegen auf der Hand:

  • Gastgeber und die einzelnen Gäste halten die Rangfolge ein, die sie erwarten,
  • jeder findet schnell den für ihn reservierten Platz,
  • unterbindet Grüppchenbildung,
  • trennt Kontrahenten und vermeidet schlechte Stimmung,
  • ermöglicht eine gute Kommunikation, in dem sie Interessen und eventuelle Sprachbarrieren mit ausländischen Gästen berücksichtigt,
  • fördert eine bunte, ausgewogende Mischung aus Damen und Herren.

Und denken Sie daran: Die Plätze neben dem Gastgeber sind die Ranghöchsten und die vom Gastgeber am weitesten entfernten sind die Rangniedrigsten.

Geben Sie sich große Mühe mit der Erstellung der Sitzordnung. Sind mehrere Gesellschaftsgruppen vertreten, bilden Sie innerhalb jeder Gruppe ein Rangfolge und platzieren Sie die Gäste dann so, dass möglichst die jeweiligen Spitzenvertreter nebeneinander sitzen. Es sollen interessante Gespräche untereinander aufkommen und keiner sich in seiner Eitelkeit verletzt fühlen.

Menüauswahl

Denken Sie bei der Menüauswahl daran, dass der Schwerpunkt des Treffens auf der Kommunikation untereinander liegt. Wählen Sie ein Menü aus, bei dem man z.B.

  • Vorspeise und Dessert schon vorher zubereiten kann,
  • die Hausfrau nicht ständig am Herd stehen muss und
  • die Konzentration des Gastes nicht auf die Speise gerichtet ist ( z.B. den Kampf gegen einen Hummer ). Der Nachbar soll der Interessantere sein.

Zu kompliziert zu essenden Gerichten, laden Sie lieber in ein Spezialitätenrestaurant ein.

Verabschiedung

Eine gekonnte Verabschiedung trägt viel dazu bei, dass die Veranstaltung und die Gastgeber bei den Gästen in guter Erinnerung bleiben. Deshalb finden Sie den richtigen Zeitpunkt, um die Veranstaltung elegant zu beenden. Bestellen Sie das Taxi, helfen in den Mantel und verabschieden Sie den Gast mit Lächeln, freundlichen Worten, dem Dank für das Erscheinen und der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen.

Fährt der Gast zufrieden und mit guten Erinnerungen nach Hause, dann haben Sie alles richtig gemacht und einen Partner auch für schwierige Zeiten gefunden.


Horst Arnold

Herr Arnold war 27 Jahre Leiter des Protokolls im Bundesprä- sidialamt. In dieser Zeit hat er die Begegnungen der Bundespräsidenten mit Bürgern, Politikern und Vertretern anderer gesellschaftlicher Grup- pen organisiert. Außerdem war er an mehr als 300 Besuchen ausländischer Staatsoberhäupter oder Regierungschefs in Bonn oder Berlin beteiligt.

Kommentare