Türkei: Umgangsformen zwischen Tradition und Moderne

Stuttgart – So nah und doch so fern. Obwohl die türkische Kultur im täglichen Leben allgegenwärtig ist, sind die interkulturellen Kompetenzen der Deutschen ausbaufähig. Nun gibt es einen weiteren Grund sich mit der Türkei zu beschäftigen: Das Land ist Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vom 15. bis 19. Oktober 2008.

Die Welt wächst schon seit vielen Jahren immer dichter zusammen. Das bedeutet, dass nicht nur Kontinente sondern auch fremde Kulturen aufeinanderprallen: Nicht nur im geschäftlichen, sondern auch im privaten Umfeld. Insbesondere die türkischen Nachbarn sind den Deutschen aus dem täglichen Miteinander präsent aber deren kulturell bedingte Gewohnheiten deswegen trotzdem nicht unbedingt gut bekannt. Anlässlich der Frankfurter Buchmessen, auf der die Türkei Ehrengast ist, soll sich dieser Umstand ändern: Das Durchschnittsalter der türkischen Einwohner liegt bei gerade einmal 28 Jahren. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 42 Jahre. Wirtschaftsforscher erwarten daher dass der zu erwartende Fachkräftemangel in Deutschland zu einem großen Teil von gut ausgebildeten türkischen Einwanderern ausgeglichen werden wird. Fest steht: Spätestens dann werden die deutsche und die türkische Kultur noch dichter zusammen rücken. Für beide Seiten kein einfaches Unterfangen. Denn die Türken wagen auch dadurch den Spagat zwischen Tradition und Moderne.

Foto: Shutterstock

Foto: Shutterstock

„Die Gepflogenheiten im Business unterscheiden sich in so manchen Punkten von den deutschen Sitten und Gebräuchen“ betont Carolin Lüdemann, Mitglied des Deutschen Knigge-Rats. „So ist es bei türkischen Geschäftspartnern durchaus einmal üblich das Meeting verspätet zu beginnen. Insgesamt ist es ratsam für Geschäftsabschlüsse mehr Zeit einzuplanen, denn nicht selten werden beschlossene Vertragsbestandteile später doch noch einmal modifiziert.“ Es gilt also nicht die Devise: Zeit ist Geld.

Des Weiteren schätzen die Türken das persönliche Gespräch. Auch wenn Dinge per E-Mail oder durch ein Telefongespräch geklärt werden könnten, bevorzugt man in der Türkei die Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht. „Das liegt auch daran, dass der persönliche Kontakt und persönliche Beziehungen einen besonders hohen Stellenwert haben.“, so Carolin Lüdemann. Ein klares „Nein“ fällt in einer Kommunikation eher selten. So beginnt der Aufbau einer Geschäftsbeziehung ganz selbstverständlich mit dem Aufbau einer langfristigen und von Sympathie begleiteten Beziehung. Denn Geschäfte werden nicht zwischen Unternehmen, sondern zwischen Menschen abgeschlossen.

Die Gastfreundschaft wird in der Türkei großgeschrieben. Für Geschäftsessen gilt, dass das Nase putzen bei Tisch absolut inakzeptabel ist und getrennte Rechnungen tabu sind. Erlaubt ist es dagegen auch mal an das klingelnde Handy zu gehen und nebenbei ein Telefongespräch zu führen.

In punkto Kleidung sind die Türken traditionell geprägt: Dem äußeren Erscheinungsbild wird sehr hohe Bedeutung beigemessen. Dementsprechend sind Eleganz, Qualität sowie einfarbige, gedeckte Farbtöne gerne gesehen.


Kommentare