Trauer und Schicksalsschläge: So gehen Sie mit betroffenen Menschen um

Deutscher Knigge-Rat: 7 Tipps, wie Sie Mut und Zuversicht schenken

Bonn  –  Trauer und Leid sind kein Spaß. Flotte Sprüche helfen Betroffenen nicht. „Die schnelllebige, spaßorientierte Leistungsgesellschaft muss wieder lernen, mit Trauer, Leid, Schmerz, Angst und Depression des Anderen umzugehen“, so der Deutsche Knigge-Rat (www.knigge-rat.de). Bei seiner letzten Sitzung hatte er sich vor dem Hintergrund des Volkstrauertages damit beschäftigt, wie jeder Einzelne einem schicksalsgebeutelten Menschen wirklich aus der Krise helfen kann. Sieben Tipps können dabei hilfreich für beide sein. Das Wichtigste: Die Not des Leidenden ehrlich empfinden und nicht bagatellisieren.

Foto: Shutterstock

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Lassen Sie Tränen zu
„Tränen sind wichtig, da Weinen eine befreiende Wirkung hat“, so Maria Riedl, Expertin beim Knigge-Rat und Gemeindereferentin in der Seelsorgeeinheit Strohgäu der Diözese Rottenburg/Stuttgart. Sie enthalten schmerzlindernde Stoffe und zudem das Hormon Prolaktin, das Stress und emotionaler Belastung entgegenwirkt. Gift für den Leidenden seien hingegen Trostfloskeln wie „Das wird schon wieder“ oder „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“. Maria Riedl: „Sie klingen banal und werden den starken Gefühlen eines leidenden Menschen nicht gerecht.“

Schweigen Sie gemeinsam
Wer die richtigen Worte nicht findet, sollte den Betroffenen trotzdem nicht allein lassen. „Will er nicht reden, schweigen Sie mit ihm.“ Er werde es als besonderes Zeichen von Vertrauen, Nähe und Respekt verstehen.

Nehmen Sie auf die Stimmung des Trauernden Rücksicht
Schlimme Erlebnisse wollen verschmerzt sein. Bemerkungen wie „Wenn ich du wäre, würde ich …“ quälen den Leidenden nur zusätzlich, warnt Maria Riedl. „Hören Sie stattdessen zu, ohne zu werten oder Sofortlösungen anzubieten.“ Allenfalls seien Anregungen erlaubt.

Bieten Sie konkrete Hilfe an
Mit Bemerkungen wie „Habe ich es Dir nicht gleich gesagt?“ oder „Wie schrecklich, du Ärmster“ werde das Leiden des Betroffenen nur noch schlimmer. „Bekräftigen Sie den anderen nicht in seiner Opferrolle, sondern machen Sie ihm Mut, indem Sie konkrete Hilfe anbieten“ – aber nicht mit unverbindlichen Floskeln wie „Kann ich Dir irgendwie helfen?“ oder „Wenn ich was tun kann, sag Bescheid“. Vielmehr gehe es um konkrete Hilfsangebote, die den anderen in seiner Handlungskompetenz stärken und ihn nicht entmündigen.

Bleiben Sie entspannt
„Akzeptieren Sie, dass Sie nicht immer helfen können. Ziehen Sie sich jedoch keinesfalls zurück“, rät die Knigge-Rat-Expertin Maria Riedl. Allein das Zuhören, an den anderen denken, mit ihm fühlen „ist sehr viel mehr als nichts“.

Stecken Sie Zurückweisungen sachlich weg
Menschen in Ausnahmesituationen meinen nicht alles so, wie sie es sagen. „Nehmen Sie eine Zurückweisung also nicht persönlich. Respektieren Sie den Wunsch nach vorübergehendem Rückzug und signalisieren sie, jederzeit wieder da zu sein.“ Denn Menschen in Extremsituationen reagieren anders als sonst. Ihnen fehle die Kraft, sich auch noch Gedanken über das Seelenleben ihrer Umwelt zu machen.

Stellen Sie die Empfindung des anderen in den Mittelpunkt
Im Umgang mit leidgeplagten Menschen sollten immer deren Empfindungen im Mittelpunkt stehen und nicht die eigenen Erfahrungen. Bemerkungen wie „Ich weiß, wie das ist“ oder „Das habe ich auch schon alles erlebt“ helfen nach Meinung von Maria Riedl nicht. Weitaus besser seien Fragen wie „Was brauchst Du jetzt von mir?“ oder „Wie kann ich Dir ein guter Freund sein?“


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