Prominente bei Veranstaltungen

Würde

In letzter Zeit wird in den Medien und von Politikern immer wieder angemahnt, dass in unserer Gesellschaft die Achtung vor der Würde der Mitbürger nachgelassen habe.

So schreibt die „Welt am Sonntag“ vor einigen Wochen: die Grundstimmung im Lande sei aggressiv. Es herrsche eine ungalante, engstirnige, rachsüchtige Haltung. Jeder fühle sich permanent benachteiligt oder angegriffen, es werde geschimpft oder gleich verklagt.

Dabei sind allgemein anerkannte Etikette-Regeln im Zeitalter der „Globalisierten Welt“, in dem wir uns auch mit Menschen aus anderen Kulturen und mit uns bisher fremden Verhaltensmustern messen müssen, für den reibungslosen, harmonischen Umgang miteinander unerlässlich.

Das Wichtigste an unseren mitmenschlichen Beziehungen ist, dass wir die Würde des Anderen respektieren. Dazu ist nach Art. 1 unserer Grundgesetzes sogar unser Staat verpflichtet. Aber das gilt auch für Jedermann. Und unter Menschenwürde versteht man im modernen Sinn, dass alle Menschen – unabhängig von Unterscheidungsmerkmalen wie Herkunft, Geschlecht, Alter oder Zustand – denselben Wert haben und dass dieser Wert des Menschen über dem aller anderen Lebewesen und Dinge steht.

Prominente

Doch behandeln wir im täglichen Leben wirklich alle Menschen gleich? Oder werden die Prominenten, Reichen, Schönen, die täglich im Fernsehen Erwähnten nicht „höher“ bewertet als die Normalbürger?

Richtig ist, dass bei großen Veranstaltungen die Prominenten das „Salz in der Suppe“ sind. Sie sind die Glanzlichter, die dafür sorgen, dass die Medien von dem Ereignis berichten. Und auch viele andere Gäste freuen sich darüber, mit den VIPs dabei in Kontakt zu kommen.

Doch wie integriert man die Prominenten so in eine Veranstaltung, dass alle Teilnehmer harmonisch miteinander umgehen und anschließend zufrieden und mit guten Eindrücken nach Hause gehen?

Rangfolge

Gibt es eine Rangfolge einflussreicher Persönlichkeiten?

Vorweg: es gibt keine amtliche Liste, in der man nachlesen kann, ob z.B der Vorstandsvorsitzende eines Autokonzerns ranghöher ist als ein Nobelpreisträger für Medizin.

Jeder Gastgeber muss selbst bei seinen Gästen versuchen, deren Leistung, Kompetenz und Autorität zu bewerten und dadurch eine Reihenfolge für deren Platzierung zu finden. Daraus ergibt sich, wer in der ersten Reihe sitzen darf, wer in einer Rede zuerst begrüßt wird und wer bei Tisch neben der Hausfrau sitzt.

Das ist eine Aufgabe, bei der viel Fingerspitzengefühl gefragt ist.

 

Praktische Tipps zur Umsetzung

Es gibt bestimmte Grundsätze, die allgemein anerkannt sind:

  • Ausländer gleichen Ranges vor Inländern,
  • Mandatsträger vor Amtsträger – oder gewählt vor ernannt,
  • Alter vor Jugend,
  • Damen gleichen Ranges vor Herren,
  • Fremde vor Vertrauten,
  • Nähe zum Veranstaltungsanlass vor entfernter Beziehung,
  • Bevorzugung des Ehrengastes und des Ersten Bürgers der Stadt.

 

Darüber hinaus gibt es anerkannte Hierarchien bei Politikern, Diplomaten sowie Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes, die man im Internet oder den Besoldungsordnungen nachlesen kann.
Bei den freiberuflich Tätigen muss der Gastgeber aber selbst Kriterien für eine Rangfolge innerhalb der jeweiligen Berufsgruppe erstellen. Dies könnten z.B. sein:

bei Wirtschaftsvertretern: Alter, Umsatz und internationale Bedeutung des Unternehmens, Anzahl der Beschäftigten, Lebensalter und öffentliches Ansehen des Gastes

bei Wissenschaftlern: internationale Anerkennung, z.B. Träger eines Nobelpreises, Leiter einer bedeutenden Wissenschaftseinrichtung, bedeutende Veröffentlichungen

bei Journalisten: Auflagenhöhe und Ansehen der Zeitung, Bedeutung der Rundfunk- oder Fernsehanstalt, erhaltene Medienpreise, persönliches Ansehen in der Öffentlichkeit

bei Künstlern: internationale Bedeutung, erhaltene Auszeichnungen, große Ausstellungen, persönliche Popularität,

bei Sportlern: Goldmedaillen bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften, Weltrekorde, mehrfache deutsche Meisterschaften, Vorbild für junge Talente.

 

Nach dem Abwägen dieser Qualitäten und deren Gewichtung innerhalb der jeweiligen Berufsgruppe werden die Gäste dann mit den Vertretern der anderen Gruppen so zusammengeführt, dass die Ranghöchsten die besten Plätze haben.

Wenn dann jeder mit seinem Nachbarn harmoniert, interessante Gespräche entstehen und sich Damen und Herren in der Platzierung möglichst abwechseln, dann hat der Gastgeber alles richtig gemacht.

Und wenn es mal wirklich knifflig wird:

im „Großen Knigge“ finden Sie weitere Anregungen und auch die Autoren und Gutachter stehen für einen guten Rat gern bereit.


Fazit

Wenn jeder Gast freundlich und aufmerksam empfangen und betreut wird, dann stört es niemanden, wenn Prominente zuerst begrüßt, bevorzugt erwähnt und hochrangiger platziert werden. Der Gast muss sich in seiner Würde bestätigt fühlen, dann kommt er gern wieder und bleibt für den Gastgeber auch in Zukunft ein Gewinn bringender Ansprechpartner.


Autor: Horst Arnold



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