Privacy Knigge schützt die Privatsphäre in sozialen Netzwerken

Deutscher Knigge-Rat veröffentlicht Leitfaden für Facebook & Co

Bonn – Gerade zum Jahresbeginn werden die sozialen Netzwerke besonders häufig genutzt, um persönliche Kontakte zu pflegen. Viele User gehen dabei leichtfertig mit den Sicherheitseinstellungen um. Rainer Wälde, Vorsitzender des Deutschen Knigge-Rats, warnt: „Manche ahnen gar nicht, dass die Partybilder der Silvesternacht plötzlich auf dem Marktplatz des Internets für alle sichtbar sind.“

Foto: Shutterstock

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Der Knigge-Rat hat deshalb einen „Privacy Knigge“ herausgegeben. Er soll den Nutzern helfen, ihre Privatsphäre aktiv zu schützen. Oberstes Gebot: alle Sicherheits-einstellungen aktivieren und genau prüfen, welche Daten öffentlich von Suchmaschinen und fremden Personen eingesehen werden können. (Kostenloser Download unter www.knigge-rat.de)

Stets entscheiden, wer was lesen oder sehen darf

Wichtig sei es deshalb auch, zwischen entfernten Bekannten und nahen Freunden zu unterscheiden. Wälde empfiehlt, sich vorher zu überlegen, wer im Netzwerk zugelassen wird und wer nicht. Sinnvoll seien auch unterschiedliche Kreise bzw. Listen für die unterschiedlichen Personengruppen, wie z.B. Familie, Arbeit oder Sport. Denn viele User wüssten nicht, dass in der Standardeinstellung die Pinwandeinträge meist öffent¬lich gepostet werden und somit für alle sichtbar sind. Der Tipp des Knigge-Rats: Bei jedem Eintrag entscheiden, welcher Personenkreis die Nachricht lesen darf.

Schlimme Spätfolgen können unbekümmert hochgeladene private Fotos haben, die man außerhalb eines engen Kreises selten oder gar nicht präsentieren würde. Rainer Wälde rät dringend: „Überlegen Sie genau, ob Sie diese Bilder auch in drei Jahren noch im Internet unter Ihrem Namen finden möchten. Schützen Sie zudem bei persönlichen Bildern auch die Privatsphäre der anderen Personen, indem Sie diese zuvor ausdrücklich um Erlaubnis fragen.“

Da alle sozialen Netzwerke die Option bieten, möglichst viele private Details preis zu geben, empfiehlt der Knigge-Rat: „Genau überlegen, ob man seine politischen Ansichten, sexuelle Orientierung oder seinen Familienstand für jedermann öffentlich machen möchte.“

Warnung vor gedankenlosem Rufmord

Soziale Netzwerke leben von persönlichen Kommentaren. Gefährlich daran: Mitunter können öffentliche Äußerungen eine Person auch „an den Pranger stellen“. Nach Ansicht von Wälde ist es deshalb wichtig, bei jedem Kommentar zu überlegen, ob er nicht besser als vertrauliche Nachricht verschickt wird.

An eines sollten Nutzer von sozialen Netzwerken grundsätzlich denken: Das Internet vergisst nie. „Unerwünschte Einträge lassen sich nach Jahren kaum noch löschen, weil die Daten auf ausländischen Servern gespeichert werden, die nicht dem deutschen Recht unterliegen“, warnt der Knigge-Rat. Er empfiehlt deshalb, öffentliche Einträge zeitnah zu prüfen und Einträge, die einem selbst oder anderen schaden könnten, umgehend zu löschen. Denn schon seit der französischen Revolution zählt die Privatsphäre zu den wichtigsten Grundrechten jedes Menschen. Und nach den Protesten gegen die Volkszählung hat das Bundesverfassungsgericht 1983 das „Recht auf informationelle Selbstbestimmung“ als wichtiges Grundrecht bestätigt.


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