Etikette und Ethik. Welche Rolle spielen sie im geschäftlichen Umgang?

Seit vielen Jahren lässt sich ein immer größer werdender Individualismus in unserer Gesellschaft beobachten. Dadurch hat sich auch unser Umgang miteinander verändert. Wir leben und arbeiten jedoch nicht nur als Individuen. Wir brauchen andere Menschen – beispielsweise als Partner, Kunden, Lieferanten, Kollegen und Mitarbeiter.

Für eine gute Zusammenarbeit im Beruf reicht das reine Fachwissen längst nicht mehr aus. „Soft Skills“ sind von ebenso großer Bedeutung und eine wichtige Ergänzung der Fachkompetenzen. Korrekte Umgangsformen, adäquates Auftreten, Kommunikationsfähigkeiten und eine wertschätzende Haltung sind hier von großer Bedeutung.

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Business-Etikette als Kernkompetenz

Die Business-Etikette wird beschrieben als ein den Erwartungen entsprechendes, soziales Verhalten im beruflichen Alltag. Dabei haben die Erwartungen nur teilweise mit festen Regeln zu tun. Sie beziehen sich mehr auf die Art, wie wir uns begegnen. Sind wir höflich, respektvoll und wertschätzend gegenüber unserem Gesprächspartner?

Verhalten wir uns, wie es das Umfeld erwartet, entstehen eine positive Atmosphäre, Vertrauen und Sicherheit. Verhalten wir uns entgegen den Erwartungen, kann dies zu Irritationen, Spannungen und sogar zum Ende von Geschäftsbeziehungen führen. Es ist also von Vorteil, das jeweilige Umfeld und dessen Erwartungen zu kennen, um sich dementsprechend angemessen verhalten zu können.

Leider fehlt es immer wieder an Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit im Gebrauch guter Umgangsformen. Was früher fast ausschließlich im Elternhaus vermittelt wurde, wird heutzutage häufig durch vielfältige Seminare und Coachings ersetzt oder ergänzt.

Zu den Aspekten der Etikette zählen:

  • Auftreten und Outfit: Hier spielen der erste Eindruck und die Kleiderordnung eine besondere Rolle.
  • Verbale und nonverbale Kommunikation: Diese führt von der Begrüßung und Vorstellung über einen gut geführten Smalltalk bis hin zur Körpersprache.
  • Offizielle Regeln im Geschäftsleben: Hierzu zählen Hierarchien und Rangfolgen, das Verhalten bei offiziellen Anlässen, die Rolle als Gastgeber oder Gast sowie interkulturelle Besonderheiten.

Die Business-Etikette ist eine Kernkompetenz. Vieles kann erlernt werden. Allerdings kann das Gelernte aufgesetzt wirken, wenn es nicht mit der eigenen, inneren Haltung übereinstimmt. Daher ist es wichtig, dass Werte wie Respekt, Rücksichtnahme, Wertschätzung, Vertrauen und Toleranz dem eigenen Verhalten zugrunde liegen und die Basis für ein integres Auftreten bilden.

Werte und Ethik im Geschäftsleben

Wenn man die Wirtschaftskrisen der letzten Jahre betrachtet, fallen immer wieder Fehlverhalten und mangelnde Moral auf. Werte wie Redlichkeit und ehrliches, vertrauenswürdiges Geschäftsverhalten wurden dabei vernachlässigt.

Die Ursache ist meist der Konflikt zwischen Gewinn und Moral. Natürlich ergibt sich der eigentliche Zweck von Wirtschaftsunternehmen nicht aus einem rein ethischen Anspruch. Oberstes Ziel ist die Sicherung und nachhaltige Weiterentwicklung des Unternehmens. Dafür ist der Gewinn die notwendige Voraussetzung. Doch wenn Menschen und Unternehmen nach ähnlichen ethischen Grundsätzen agieren, entsteht eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Daraus entwickeln sich „Win-Win“-Situationen, die für alle Beteiligten langfristig nutzen- und gewinnbringend sind.

Als Leitbild für das verantwortliche Handeln gilt der ehrbare Kaufmann. Er zeichnet sich durch Werte wie Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Integrität aus. Diese sind die Basis für sein Handeln und bringen zum Ausdruck, mit welcher Haltung Geschäfte betrieben werden. So sagte auch 1921 der Unternehmer Robert Bosch: „Immer habe ich nach dem Grundsatz gehandelt: Lieber Geld verlieren als Vertrauen. Die Unantastbarkeit meiner Versprechungen, der Glaube an den Wert meiner Ware und an mein Wort standen mir stets höher als ein vorübergehender Gewinn“.

Ethik ist also eine Frage der individuellen Haltung, der persönlichen Integrität. Und eine ethische Geschäftsführung bringt uns viele Vorteile und Chancen:

1.) Wir sind glaubwürdig und integer, mit reinem Gewissen uns selbst und anderen gegenüber.

2.) Wir schaffen ein Klima des Vertrauens, der Verlässlichkeit und Sicherheit und sorgen damit für Stabilität im Unternehmen.

3.) Wir vermeiden Konflikte mit betrieblichen Regeln und Gesetzen.

4.) Wir stärken die Akzeptanz und das positive Image unserer Unternehmungen.

5.) Wir entwickeln besser Geschäftsbeziehungen mit Partnern, die ähnlich denken und gewinnen leichter qualifizierte Mitarbeiter, die zu uns passen.

Wir brauchen keine Extra-Ethik für den geschäftlichen Umgang. Wir sollten uns nur an die allgemeinen ethischen Grundsätze halten, die für alle Lebensbereiche gelten, privat und beruflich. Wir alle können aktiv etwas dafür tun, jeder in seinem Umfeld. Wir brauchen eine Vertrauenskultur als Grundlage für gemeinsam geteilte Werte und Umgangsformen. Und wir brauchen Führungskräfte, die als ehrbare Kaufleute mit Anstand und Verantwortungsbewusstsein ein Vorbild für andere sind.

Ethik und Etikette sind Erfolgsfaktoren!

Wer auf der Basis von Ethik und guten Umgangsformen handelt, wird sich und sein Unternehmen nachhaltiger am Markt stärken sowie die Motivation und Bindung von Mitarbeitenden fördern. Wer offen, ehrlich und wertschätzend agiert und kommuniziert, gewinnt langfristig das Vertrauen seiner Geschäftspartner, Kunden, Zulieferer, Mitarbeiter und der Gesellschaft allgemein.

Dazu kommt eine einfache und überzeugende „Kosten-Nutzen-Rechnung“: Geringe Kosten, großer Nutzen! Denn ein ethischer, guter Umgang kostet kein Geld, nur Zeit, Achtsamkeit und Wertschätzung für andere und sich selbst. Und der Nutzen? Der ist enorm, in Form von Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit. Meist erkennen wir den Nutzen erst, wenn andere – oder wir selbst – einem Fehlverhalten unterlagen und die Situation oder das Geschäft nicht mehr ohne Weiteres zu retten waren.

Gute Etikette und Ethik sind echte Erfolgsfaktoren im Umgang miteinander, geschäftlich und natürlich auch privat. Machen wir sie zu Kernkompetenzen als Basis unseres Zusammenlebens.


Autorin: Silke Freudenberg

Silke Freudenberg ist zertifizierte Protokoll-Managerin und seit über 15 Jahren in den Bereichen Eventmanagement, Protokoll, Etikette und moderne Umgangsformen tätig. Sie ist Mitglied im Deutschen Knigge-Rat und Botschafterin für Existenzgründung und Unternehmertum im Saarland.
Neben der Organisation von Veranstaltungen, Seminaren und Vorträgen arbeitet sie als zertifizierte systemische Coach und bringt dort auch ihre Berufserfahrung aus den Bereichen Marketing, Kommunikation und Personal ein.

www.silkefreudenberg.com



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